Corona-Pandemie - Auswirkungen für psychiatrische und gerontopsychiatrische Patienten

  • von  Elke Härtel
    19.05.2020
  • Anträge

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
 
Anfang März wurden die Krankenhäuser von der Bundesregierung angewiesen, auf elektive Behandlungen zu verzichten und nur noch dringliche Operationen vorzunehmen, um hohe Kapazitäten für Covid-19-Patienten zu schaffen.

Tageskliniken wurden geschlossen, ambulante Behandlungsangebote ausgesetzt, elektive Eingriffe auf unbestimmte Zeit verschoben. Mehrere Stationen wurden geschlossen oder verlegt und Normalstationen wurden zu Covid-19-Stationen umgerüstet.

Psychiatrische Kliniken haben auf Anweisung der Bundesregierung und der Bayerischen Staatsregierung ihre stationären, ambulanten und teilstationären Einrichtungen heruntergefahren, um Kapazitäten für die Aufnahme von Covid-19-Erkrankten freizumachen. Leichte und mittelschwere Fälle werden nach Hause entlassen, um Platz für Corona-Infizierte zu schaffen. Lediglich Patienten mit schwereren psychischen Erkrankungen dürfen bleiben, zum Beispiel, wenn sie suizidgefährdet sind.

Menschen, die psychisch bereits belastet sind, leiden, denn die Umstände der Pandemie können seelische Erkrankungen verschlechtern. Depressionen können sich durch die soziale Isolation und Unsicherheit verstärken. Auch Panikstörungen wie die Angst vor großen Menschenmengen, hypochondrische Störungen – etwa die Furcht vor Krankheiten – sowie, Zwänge zum Beispiel zwanghaftes Händewaschen, werden durch die Corona-Pandemie befeuert.  
 
Der Bedarf an Psychotherapien und an kurzfristiger Beratung – der sogenannten Akuttherapie – nimmt derzeit zu. Die Wartelisten für Psychotherapien sind schon unter Normalbedingungen lang. Nun nehmen die meisten Praxen und Kliniken gar keine neuen Patienten auf – es sei denn, es sind dringende Notfälle. Hinzu kommt, dass viele der laufenden Therapien nicht fortgeführt werden: Patienten gingen nicht mehr aus dem Haus. Patienten, bei denen die Fortsetzung der Therapie wegen COVID-19 verschoben werden musste, wurden meist telefonisch weiterbetreut. Darüber hinaus wurden Video-Sprechstunden und Online-Angebote zur Psychotherapie ausgeweitet.  

Die SPD-Stadtratsfraktionen sieht viele der beschriebenen Entwicklungen mit Sorge und stellt deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Berichtsantrag:


Die Verwaltung berichtet

  • über Auswirkungen für psychiatrische und gerontopsychiatrische Patientinnen und Patienten.
  • über Maßnahmen und Angebote zur bedarfsgerechten Angebotssicherstellung für Patientinnen und Patienten während der Pandemie.
  • über Erfahrungen bzw. Einschätzungen zur aktuellen Situation und zu möglichen Vorschlägen für die Zukunft.

Ihre Antragsstellerin

Elke Härtel