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Lange Wartezeiten sind unzumutbar

Nasser Ahmed: „Schneller Zugang zu Fachärzten ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit“

Lange Wartezeiten auf Facharzttermine sind für viele gesetzlich Versicherte Alltag. Das zeigt die repräsentative Versichertenbefragung 2025 des GKV-Spitzenverbandes. Demnach warteten 25 Prozent der Befragten bei ihrem letzten Facharztbesuch länger als einen Monat auf einen Termin, jeder Zehnte sogar mehr als drei Monate.

Diese Zahlen spiegeln sich auch in Nürnberg wider. Nasser Ahmed, Fraktionsvorsitzender der SPD und Oberbürgermeisterkandidat, berichtet von zahlreichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern: „Viele Nürnbergerinnen und Nürnberger schildern mir, wie schwierig es geworden ist, zeitnah einen Facharzttermin zu bekommen. Für ältere Menschen, chronisch Kranke, Familien mit Kindern oder Berufstätige ist das eine enorme Belastung. Gesundheit darf aber keine Frage des Geldbeutels oder des Versicherungsstatus sein.“

Zwar verfügt Nürnberg als Großstadt über eine vergleichsweise hohe Dichte an Arztpraxen und Krankenhäusern, dennoch erleben viele Menschen faktisch eine Zwei-Klassen-Medizin. Gesetzlich Versicherte warten deutlich länger, während Privatpatienten schneller Termine erhalten. „Wenn der Zugang zur medizinischen Versorgung vom Einkommen abhängt, dann ist das ein Gerechtigkeitsproblem“, so Ahmed.

Aus Sicht der SPD braucht es deshalb eine bessere Steuerung der Patientenwege. Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte sollen stärker als Lotsen im System fungieren. Nach einer hausärztlichen Abklärung muss klar priorisiert werden, wie dringend ein Facharzttermin ist. „Wir brauchen ein System, das sich an medizinischer Notwendigkeit orientiert und nicht daran, wer die meiste Zeit oder die besten Nerven beim Telefonieren hat“, betont Ahmed.

Auch auf kommunaler Ebene sieht Ahmed konkrete Handlungsmöglichkeiten. Die bestehenden Bereitschaftspraxen in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung müssen gestärkt, besser erreichbar und enger mit Kliniken und Praxen verzahnt werden. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten gezielt in die richtige Versorgungsstruktur zu lenken und Notaufnahmen zu entlasten.

Darüber hinaus will Ahmed die ambulanten Angebote des Klinikum Nürnberg weiterentwickeln. Modelle wie das Ambulante BehandlungsCentrum zeigen, wie fachärztliche Versorgung ergänzend zur niedergelassenen Praxis funktionieren kann. „Diese Strukturen müssen wir ausbauen und strategisch weiterdenken – als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den Praxen.“

Perspektivisch hält Ahmed auch öffentlich getragene Facharztzentren für einen sinnvollen Ansatz. Zentral gelegen, gut erreichbar und ohne Bevorzugung von Privatpatienten könnten sie Versorgungslücken schließen, dort wo der Markt an seine Grenzen stößt. „Öffentliche Verantwortung heißt auch, neue Wege zu gehen, wenn bewährte Strukturen nicht mehr ausreichen.“

Gleichzeitig fordert Ahmed mehr Transparenz und Konsequenz im bestehenden System. Es müsse offen benannt werden, wo Praxen faktisch nur noch Privatpatienten annehmen. „Zwei-Klassen-Medizin darf nicht stillschweigend akzeptiert werden. Hier sind Selbstverwaltung, Kassen und Politik gemeinsam in der Pflicht.“

Abschließend macht Ahmed deutlich: „Eine Stadt, die funktionieren will, muss auch in der medizinischen Versorgung funktionieren. Gesundheit ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Als Oberbürgermeister werde ich dieses Thema zur Chefsache machen. Nürnberg kann das besser – für alle.“

Quelle zum Versorgungsgrad:
https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/Ueber-uns/Versorgungssituation/Bedarfsplanung/KVB-Bedarfsplanung-Uebersicht-Versorgungsgrade.pdf