SPD-Fraktion sorgt sich um gewaltbetroffene Frauen und Kinder während Lockwown

Die derzeitigen Bedingungen können zu erheblichen Krisen in den Familien führen

Die kürzlich geäußerten Befürchtungen von Familienministerin Giffey, dass durch den erneuten – und sich wohl auch noch verschärfenden – Lockdown die häusliche Gewalt an Frauen und Kindern weiter zunehmen wird, macht auch der SPD-Stadtratsfraktion Sorge.

„Auch wenn in beruflich und finanziell unsicheren Zeiten gewaltbetroffene Frauen noch mehr davor zurückschrecken, den misshandelnden Partner zu verlassen, musste in Nürnberg das Platzangebot für gewaltbetroffene Frauen vorübergehend mit externen Plätzen erweitert werden.Auch die polizeilichen Meldungen an die Interventionsstelle, in der mehrere Frauenberatungsstellen zusammenarbeiten und den Opfern häuslicher Gewalt Unterstützungsangebote aufzeigen, hat zugenommen. Besonders nachgefragt ist derzeit das ambulante Beratungsangebot, das sich aktuell verdreifacht hat“, weiß die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und ehemalige Geschäftsführerin des Frauenhauses Gabriele Penzkofer-Röhrl.

Diana Liberova, die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, ergänzt: „Die Pandemie mit ihren Ausgangsbeschränkungen hat uns deutlich vor Augen geführt, wie notwendig die Erweiterung des ambulanten Beratungsangebots durch eine qualifizierte Onlineberatung ist“.

Wie die beiden Politikerinnen aktuell erfahren haben, wird Anfang nächsten Jahres diese neue Beratungsform an den Start gehen können – „ein Riesenfortschritt“ betonen sie. „Die derzeitigen Bedingungen und existenziellen Belastungen können zu erheblichen Krisen in den Familien führen; das Fatale ist, dass Misshandlungen in ohnehin schon gewaltgeprägten Beziehungen nicht nur zunehmen, sondern vor allem brutaler werden und zu schweren Verletzungen führen“, führt Penzkofer-Röhrl aus, eine Tatsache, die ihr auch von der Frauenberatung im Hinblick auf sexualisierte Gewalt bestätigt wurde.

Diana Liberova möchte aber auch den Blick auf die Gewaltausübenden lenken: „Um die Eskalation der Gewalt zu durchbrechen und sie letztendlich zu verhindern, ist die Auseinandersetzung mit Tätern, wie durch die Gewaltberatung wichtig, dass diese lernen können mit ihren Aggressionen umzugehen. Hier sehen wir noch Handlungsbedarf“.

Den Sozialpolitikerinnen ist klar, dass es in den Zeiten, in denen der Misshandelnde sehr häufig zuhause ist, für die Opfer besonders schwierig ist, sich Hilfe zu organisieren. Sie möchten aber den betroffenen Frauen Mut machen: „Wir appellieren an alle von Gewalt betroffenen Frauen, sich an die Unterstützungssysteme zu wenden und sich Hilfe zu holen.“ So ist z.B. das Frauenhaus mit einem Hygienekonzept aufnahmebereit, der notwendige Schnelltest wird auf Kosten des Frauenhauses von einer nahegelegenen Arztpraxis durchgeführt.

Insgesamt zeigen sich Liberova und Penzkofer-Röhrl erfreut, dass sich in den letzten Jahren die finanziellen Zuschüsse durch das Land deutlich erhöht haben und das Angebot für gewaltbetroffene Frauen und Kinder in Nürnberg ausgebaut werden konnte: „Unser besonderer Dank geht an die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstellen, die hochengagiert gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder unterstützen“.