Rathaus-SPD fordert Zukunftsstrategie für den Industriestandort Nürnberg
Am 21. Juli 2026 haben Betriebsrat und IG Metall die Beschäftigten im Robert Bosch Werk NuP1 in Nürnberg im Rahmen einer fortgesetzten Betriebsversammlung über mögliche massive Abbauszenarien des Arbeitgebers informiert. Ein harter Schlag für die rund 1.700 Beschäftigten, die seit 2007 mit persönlichen finanziellen Einschnitten die Zukunft am Standort gesichert haben. Die bestehende Standortsicherung läuft zum 31.12.2026 aus. Eine Erneuerung der Standortsicherung scheiterte zuletzt am Widerstand des Arbeitgebers, über Zukunftsprodukte für den Standort NuP1 zu verhandeln.
Hierzu erklärt der industriepolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion Harald Dix: „Das Beispiel Bosch zeigt, wie stark die Fahrzeugzulieferindustrie in Nürnberg und der gesamten Region unter Druck steht. Für uns ist klar: Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn Investitionen gestrichen, Produktion verlagert und Arbeitsplätze abgebaut werden. Nürnberg braucht eine aktive Industrie- und Standortpolitik, die frühzeitig Perspektiven für unsere Standorte entwickelt.“
Auch an anderen Standorten der Region stehen Produktion, Forschung und Entwicklung unter erheblichem Veränderungsdruck. Produktionsverlagerungen, Investitionsentscheidungen und der technologische Wandel stellen die Fahrzeugzulieferindustrie vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die industrielle Transformation aktiv zu begleiten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch künftig in Nürnberg produziert, investiert und geforscht wird. „Transformation darf nicht bedeuten, dass industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze aus Nürnberg verschwinden“, so Dix. „Wir brauchen Investitionen in Zukunftsprodukte und neue Technologien an unseren bestehenden Standorten, dort, wo das Know-how und die qualifizierten Beschäftigten bereits vorhanden sind.“
Mit einem Stadtratsantrag fordert die SPD-Fraktion deshalb eine umfassende Bestandsaufnahme und konkrete Perspektiven für den Industriestandort Nürnberg. Die Verwaltung soll darlegen, wie die bestehenden Angebote von transform_EMN, Kammern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch stärker für Nürnberger Unternehmen nutzbar gemacht werden können. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie zentrale Standortbedingungen – von Industrie- und Gewerbeflächen über Infrastruktur und Energieversorgung bis zu Genehmigungsverfahren und Fachkräftegewinnung – verbessert werden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem frühzeitigen Umgang mit gefährdeten Standorten. Die Stadt soll im Rahmen ihrer Unternehmens- und Standortpflege schneller auf gefährdete Investitionen, Produktionsverlagerungen und drohenden Arbeitsplatzabbau reagieren und gemeinsam mit Unternehmen, Beschäftigtenvertretungen, Gewerkschaften und weiteren Akteuren Perspektiven entwickeln.
Harald Dix weiter: „transform_EMN bietet wichtige Ansätze, um Unternehmen bei Transformation, Qualifizierung, Technologietransfer und Diversifizierung zu unterstützen. Diese Strukturen und Netzwerke wollen wir für Nürnberg noch stärker nutzbar machen und weiterentwickeln. Gleichzeitig muss die Stadt frühzeitig erkennen, wenn Investitionen, Produktion oder Arbeitsplätze gefährdet sind, und gemeinsam mit Unternehmen, Betriebsräten und Gewerkschaften an Lösungen arbeiten. Wir wollen nicht erst über Industriepolitik reden, wenn die Entscheidung über einen Standort längst gefallen ist.“
Weil die Herausforderungen nicht allein auf kommunaler Ebene gelöst werden können, fordert die SPD zudem eine gemeinsame Initiative mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg gegenüber Bund und Freistaat. Gemeinsam soll ein Forderungskatalog zur Stärkung des Industriestandorts und der Fahrzeugzulieferindustrie entwickelt werden.
Ziel ist eine langfristige Strategie, die industrielle Kerne, Wertschöpfung und Innovation in Nürnberg sichert und gleichzeitig Perspektiven für qualifizierte Beschäftigung unter tariflichen Bedingungen schafft.

