Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
in mehreren Quartieren Nürnbergs sind in den vergangenen Jahren Neubauten mit außergewöhnlich hohem Anteil geförderter Wohnungen entstanden. Die große Nachfrage nach Fördermitteln in Verbindung mit dem baukonjunkturell bedingten Rückgang beim frei finanzierten Wohnungsbau hat dazu geführt, dass die Förderpraxis die seit jeher angestrebte Mischung in den Quartieren nicht überall gewährleisten konnte. Aufgrund der großen Nachfrage Wohnungssuchender insbesondere nach Wohnungen der Förderstufe I sind diese Quartiere zudem in äußerst kurzer Zeit vollständig bezogen worden.
Dies führt teilweise zu sozialen Folgewirkungen, die uns zum Handeln auffordern. Dies betrifft beispielsweise große Quartiere wie das Regensburger Viertel, Monopol 491 oder die Lichtenreuther Zeile, aber auch kleinere Objekte in bereits bestehenden Siedlungsschwerpunkten.
Konkret erreichen uns in letzter Zeit vermehrt Anfragen bezüglich eines größeren Neubaus in der Fuggerstraße in Sündersbühl sowie in der Wörnitzstraße in Röthenbach. Hier sind große Wohnungen entstanden, in die Familien mit vielen Kindern eingezogen sind. Bezahlbarer Wohnraum, insbesondere für Familien in der Stadt, ist ein wichtiges Entwicklungsziel für Nürnberg, gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass die Kapazitäten in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen vor Ort sowie unterstützenden sozialen Diensten nicht entsprechend mitgewachsen sind, was zu negativen Auswirkungen in den Quartieren und den Einrichtungen gleichermaßen führt. Die Stadtteilschulen sind mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl neuer Schüler:innen konfrontiert und die schnelle Belegung hat dazu geführt, dass nicht alle neu zugezogenen Familien sofort einen Kindergarten- oder Hortplatz in Wohnortnähe erhalten. Auch die Wartelisten für Beratungsangebote wie Erziehungsberatung, insbesondere für Familien mit Zuwanderungsgeschichte, sind lang.
Zudem wird von vermehrten Spannungen und Konflikten zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft sowohl in den Wohnanlagen als auch in den Einrichtungen berichtet.
Die Geschwindigkeit der Veränderung und die hohe, homogene Dichte der Belegung in Teilquartieren führen dazu, dass nachbarschaftliche Strukturen der Unterstützung und Integration fehlen und dass Soziale Infrastruktur sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote nicht ausreichen. Es gilt daher, einen beginnenden Prozess der sozialräumlichen Segregation aufzuhalten, mindestens aber abzuschwächen. Den sozialen Diensten und Einrichtungen vor Ort wie zum Beispiel Kitas, Schulen, Jugendsozialarbeit an Schulen, ASD, SFD, Erziehungsberatung und weiteren Beratungsstellen kommt dabei eine herausragende Bedeutung zu. Sie sind die verlässlichen, kontinuierlichen Anlaufstellen vor Ort, die die Menschen in ihrer Alltagsbewältigung am besten unterstützen können – brauchen aber ihrerseits dringend Hilfe.
Die SPD-Stadtratsfraktion stellt daher folgenden
Antrag:
1. Die Verwaltung berichtet,
a. mit welchen sozialen Diensten und Angeboten sie in den neuen Quartieren, insbesondere rund um Fugger- und Wörnitzstraße, vor Ort ist,
b. welches die vordringlichen Unterstützungsbedarfe der Bewohner:innen sind und wie diese seitens der sozialen Dienste adressiert werden können, aber auch
c. welche Instrumente der sozialräumlichen und stadtplanerischen Steuerung anzuwenden sind, um Segregation nachhaltig zu verringern und zu verhindern.
2. Die Verwaltung stellt noch rechtzeitig zur Einbringung in die Beratungen zum Haushalt 2026 dar, welche konkreten Ressourcen (Personal- und Sachmittel) erforderlich sind, um schnell zu einer Verbesserung der Situation vor Ort zu kommen.
3. Die Verwaltung stellt dar, welche stadtplanerischen und förderrechtlichen Maßnahmen künftig ergriffen werden können, um eine Überkonzentration von EOF-Stufe-1-Wohnungen in einzelnen Bauprojekten oder Quartieren zu verhindern. Siehe Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 26.3.2025.
Mit freundlichen Grüßen

