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Kommunale Agenda: Bessere Unterstützung für psychisch kranke und stark belastete junge Menschen in Nürnberg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in den vergangenen Jahren – insbesondere infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges – ist ein besorgniserregender Anstieg psychischer Belastungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verzeichnen.

Laut COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigen derzeit rund 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten, 23 Prozent leiden unter Angststörungen und 22 Prozent unter depressiven Symptomen. Ein Fünftel (21 %) fühlt sich einsam. Auch chronische psychische Erkrankungen nehmen zu – viele junge Menschen erhalten jedoch keine ausreichende Versorgung.

Als Hauptursachen gelten Sorgen vor Krieg, Terrorismus, wirtschaftlicher Unsicherheit und der Klimakrise. Auch der Einfluss sozialen Medien ist erheblich: Etwa ein Drittel (32 %) der Befragten gab an, sich durch ungefilterte Nachrichten über globale Krisen emotional überfordert zu fühlen. Diese Zahlen machen eines deutlich: Nürnberg braucht eine kommunale Agenda, die psychisch erkrankte junge Menschen gezielt stärkt, Versorgungslücken schließt und Prävention, Beratung und Behandlung besser verzahnt.

Im Erwachsenenbereich gibt es bewährte Angebote – für junge Menschen müssen jedoch spezifische, niedrigschwellige und aufsuchende Hilfsstrukturen geschaffen und sichtbar gemacht werden. Neben präventiven Maßnahmen an Schulen, in der offenen Jugendarbeit und in der Gesundheitsversorgung sind niederschwellige sozialräumliche Beratungs- und Unterstützungsangebote notwendig.

Daher stellt die SPD-Stadtratsfraktion folgenden

Antrag:

  1. Sichtbarkeit im öffentlichen Raum: eine städtische Kampagne zur Enttabuisierung psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen – u.a. mit Plakaten, ÖPNV, Schulen und Jugendzentren, über soziale Medien und in städtischen Einrichtungen
  2. Einführung eines Unterrichtsfachs bzw. -moduls „mentale Gesundheit“ an Nürnberger Schulen. Es fehlt bisher ein eigenständiges Fach „mentale Gesundheit“, die bestehenden Angebote sind meist projektbasiert und nicht flächendeckend implementiert. Eine gezielte Integration des Themas in den regulären Unterricht kann sicherlich dazu beitragen, das Bewusstsein für psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken. Mentale Gesundheit als Schulfach soll neben Aufklärung auch konkrete Hilfsangebote bekannt machen und Wege zur Unterstützung aufzeigen.
  3. Einführung eines jährlichen „Tages der seelischen Gesundheit bei jungen Menschen“ in Nürnberg – mit kreativen Veranstaltungen und Mitmachaktionen unter Beteiligung von jungen Menschen – mit Social-Media-Kampagnen unter dem Hashtag #TagderJungenSeele oder #NbgMentalYoung – auch in Schulen.
  4. Ausbau niedrigschwelliger Anlaufstellen in Stadtteilen – psychosoziale Sprechstunden in Jugendzentren, Stadtteilbüros und mobile Angebote („Mental Health Mobil“).
  5. Die Verstetigung und Ausweitung des Projekts GROW HAPPY NBG – seelisch gesund Aufwachsen im Stadtteil“ über den aktuellen Projektzeitraum hinaus. Eine Ausweitung auf weitere Stadtteile soll geprüft und der städtische Finanzbedarf dafür ermittelt werden
  6. Erweiterung digitaler Beratungsangebote für Jugendliche (z.B. anonyme Chatgruppen, Online-Sprechstunden implementieren) gemeinsam mit bestehenden Beratungsstrukturen.
  7. Die Einrichtung einer städtisch unterstützten Hotline in Kooperation mit bestehenden Beratungsstellen wie dem Krisendient Mittelfranken – speziell für junge Menschen in Krisen.

Die Agenda soll als mehrjähriges Rahmenprogramm bis 2030 schrittweise umgesetzt werden und jährlich evaluiert werden.

Mit freundlichen Grüßen