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Fahrzeugzulieferindustrie in der Metropolregion Nürnberg unter Druck

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in einem Werkstattbericht zum aktuellen Stand der Weiterführung des Projektes transform_EMN aus dem Jahr 2024 heißt es von der Wirtschaftsförderung Nürnberg:

„Mit 100.000 Beschäftigten ist die Fahrzeugzulieferindustrie eine der wirtschaftlichen Leitbranchen in der Metropolregion Nürnberg. Ein Zehntel aller Beschäftigten der deutschen Automobilindustrie ist hier tätig. Da es in der Region keinen großen Fahrzeugbauer wie BMW oder Audi gibt, bleibt die große Kompetenz oft im Verborgenen. Stattdessen bilden 500 kleine und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Zulieferindustrie vor Ort. Hinzu kommen namhafte Großunternehmen wie z.B. MAN, Schaeffler, Brose, LEONI, ZF oder Bosch, die meisten mit einem Standort in Nürnberg. Die Region ist gut aufgestellt in Materialien für die Fahrzeugherstellung, modularen Türsystemen, Bordnetzen, Antriebstechnik, Lagertechnik und Elektromobilität.“

Gleichzeitig werden diese Unternehmen mit ihren Innovationen als Leuchttürme der Region bezeichnet und Unternehmensentscheidungen als mutmachend und zukunftsweisend beschrieben.

Weiter heißt es: „Die Robert Bosch GmbH hat in seinem Werk 1 im Südwesten Nürnbergs in den letzten Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag im Bereich der additiven Fertigung investiert, insbesondere im hochkomplexen Metalldruck. Das Kompetenzzentrum 3D-Druck steht auch externen Unternehmen offen für Rapid Prototyping und Kleinserienproduktion. Zudem setzt man im Werk auf Komponenten für Wasserstoff-Mobilität.“

Am 21. Juli 2026 haben Betriebsrat und IG Metall die Beschäftigten im Robert Bosch Werk NuP1 in Nürnberg im Rahmen einer fortgesetzten Betriebsversammlung über mögliche massive Abbauszenarien des Arbeitgebers informiert. Ein harter Schlag für die rund 1.700 Beschäftigten, die seit 2007 mit persönlichen finanziellen Einschnitten die Zukunft am Standort gesichert haben. Die bestehende Standortsicherung läuft zum 31.12.2026 aus. Eine Erneuerung der Standortsicherung scheiterte zuletzt am Widerstand des Arbeitgebers über Zukunftsprodukte für den Standort NuP1 zu verhandeln.

Das Beispiel Bosch zeigt, wie stark die Fahrzeugzulieferindustrie in der Region unter Druck steht. In anderen Unternehmen werden auch weiterhin Verlagerungen von Produktion geplant. Die vielfach kritisierte Problematik dieser Standortverlagerungen insbesondere oft innerhalb derselben Unternehmensgruppen bleibt. Auch sind längst Forschungs- und Entwicklungs-Strukturen betroffen. Viele Arbeitgeber wählen aus Kostengründen Osteuropa als Ziel ihrer Verlagerung. Die wesentlichen Gründe liegen in der stagnierenden Produktivitätsentwicklung, Investitionslücken, hohen Energiepreisen, Gewinnmaximierung aber auch an geopolitischen Veränderungen.

Aktuell lädt unter dem Motto „Zulieferer von morgen: Innovativ. Digital. Nachhaltig.“ die Zukunftswerkstatt Automotive Metropolregion Nürnberg auch in diesem Jahr am 30. September nach Ansbach ein, gemeinsam den Blick auf die Zukunft der Branche zu richten. Denn Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit prägen bereits heute die Wettbewerbsfähigkeit von morgen – und lassen sich am wirksamsten im Austausch und in Kooperation gestalten.

Ziel muss es sein, dass die Automobilzuliefererindustrie auch weiterhin erfolgreich am Standort Nürnberg produziert, investiert, forscht und Beschäftigung schafft. Dafür braucht es dauerhafte und zuverlässige Rahmenbedingungen. Die Zuliefererindustrie muss besser von den Förder- und Investitionsprogrammen für die Transformation profitieren.

Die SPD-Stadtratsfraktion stellt deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden

Antrag:

 Die Verwaltung

  • berichtet über die aktuelle wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Situation der Fahrzeug- und Zulieferindustrie in Nürnberg und der Europäischen Metropolregion Nürnberg und stellt dabei insbesondere die Entwicklung der Nürnberger Standorte dar;
  • berichtet über den aktuellen Stand, die Ergebnisse und die weitere Perspektive von transform_EMN und stellt dar, welche Unterstützungsangebote für Nürnberger Unternehmen insbesondere bei Transformation, Qualifizierung, Technologietransfer und Diversifizierung bestehen;
  • legt dar, wie die Stadt Nürnberg die bestehenden Angebote von transform_EMN, Kammern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch stärker für die Nürnberger Unternehmen nutzbar machen kann;
  • legt dar, welche kommunalen Maßnahmen zur Sicherung und Weiterentwicklung von Industrie- und Gewerbeflächen erforderlich sind, um industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung dauerhaft in Nürnberg zu halten;
  • stellt dar, welche weiteren kommunalen Standortfaktoren – insbesondere Flächenverfügbarkeit, Infrastruktur, Energieversorgung, Genehmigungsverfahren und Fachkräftegewinnung – für den Erhalt und die Weiterentwicklung industrieller Standorte verbessert werden können;
  • berichtet, wie die Stadt im Rahmen ihrer Unternehmens- und Standortpflege frühzeitig auf gefährdete Investitionen, Produktionsverlagerungen und Arbeitsplatzabbau reagieren und gemeinsam mit Unternehmen, Beschäftigtenvertretungen, Gewerkschaften und weiteren Akteuren Perspektiven für die betroffenen Nürnberger Standorte entwickeln kann;
  • erarbeitet gemeinsam mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg einen Forderungskatalog an Bund und Freistaat zur Stärkung des Industriestandorts und der Fahrzeugzulieferindustrie;
  • legt dem Stadtrat auf Grundlage der regionalen Transformationsstrategie von transform_EMN dar, welche konkreten kommunalen Maßnahmen die Stadt Nürnberg ergreifen kann, um industrielle Kerne, Wertschöpfung, Innovation und qualifizierte Beschäftigung unter tariflichen Bedingungen am Standort Nürnberg langfristig zu sichern.

Mit freundlichen Grüßen